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2 C2C in der gebauten Umwelt

2.1 Cradle to Cradle

Cradle to Cradle (C2C; von der Wiege zur Wiege) basiert auf der Idee einer konsequenten Kreislaufwirtschaft, in der alle Ressourcen in endlosen Kreisläufen zirkulieren. C2C orientiert sich dabei an den Stoffkreisläufen der Natur, in denen alle Substanzen Grundlage und Nährstoffe für etwas Neues sind – das Konzept Müll existiert nicht. Diese Vision verfolgt C2C auch für technische Kreisläufe: Nach dem Vorbild der Natur ist jeglicher Abfall Nährstoff. Ausgehend von der Funktion eines Produktes setzen wir nur noch Materialien ein, die kreislauffähig sind: für uns und für die Umwelt. Wir gestalten widerstandsfähige und produktive Systeme, weil wir alles an seine Umgebung anpassen und dadurch Vielfalt schaffen; auch das zeigen intakte Ökosysteme. Energie gewinnen wir ausschließlich aus erneuerbaren Quellen aus kreislauffähig gestalteten Anlagen und halten Kohlenstoff als wichtigen Rohstoff in Kreisläufen; wir schützen unsere Gewässer und Böden; Arbeitsbedingungen sind überall fair und menschenwürdig. Wir stürzen nicht länger von einer Krise in die nächste, weil wir für unsere ökologischen, ökonomischen und sozialen Probleme verzahnte und langfristige Lösungen gefunden haben.

Die C2C Denkschule

Die C2C Denkschule vermittelt ein positives Menschenbild: Als Teil der Natur können wir Nützlinge sein und einen positiven ökologischen, ökonomischen und sozialen Fußabdruck hinterlassen. Umdenken und neue Pfade beschreiten – wir Menschen haben das Potenzial dazu. Indem wir den Ansatz der Öko-Effektivität vor den der Öko-Effizienz stellen (also erst die richtigen Dinge tun und diese dann effizient gestalten) und Produkte von Anfang an kreislauffähig und gesund für ihr spezifisches Nutzungsszenario konzipieren, können wir einen Mehrwert für Mensch und Umwelt schaffen. Anstatt die Auswirkungen unserer derzeitigen linearen Wirtschaftsweise und den daraus resultierenden negativen ökologischen Fußabdruck durch Effizienzsteigerung zu minimieren, schaffen wir durch effektives Design und Handeln einen großen positiven Fußabdruck. Wir haben lange versucht, die bestehenden Prozesse innerhalb unseres linearen Wirtschaftssystems zu optimieren, um Klima- und Ressourcenkrise zu bekämpfen. Doch Ressourcenknappheit und das Erreichen von Erdklimakipppunkten zeigen, dass das nicht ausreicht. Wir müssen neu und anders denken und handeln, um nützlich statt nur weniger schädlich zu sein.
Abbildung 2: Der positive Fußabdruck
Abbildung 2 : Der positive Fußabdruck

Das C2C Designkonzept

Das C2C Designkonzept ist die Anleitung für innovative und zukunftsfähige C2C-Produkte und Geschäftsmodelle. Materialien, die gesund für Mensch und Umwelt sind, zirkulieren in biologischen und technischen Kreisläufen. Bei der Produktion nutzen wir ausschließlich regenerative Energie aus kreislauffähigen Anlagen und führen Kohlenstoff als wichtige Ressource in Kreisläufen. Wir erhalten oder verbessern die Qualität von Wasser und Böden und haben faire und menschenwürdige Arbeitsbedingungen entlang aller Wertschöpfungsketten. Jedes Produkt, das diesen Kriterien entspricht, kann je nach Nutzungsszenario unendlich im biologischen und/oder technischen Kreislauf zirkulieren.

Der biologische Kreislauf (Biosphäre)

In der Biosphäre zirkulieren Materialien im kontinuierlichen biologischen Kreislauf. Jeglicher Abrieb oder Verlust muss zu 100% biologisch abbaubar sein – nur so dient er der Biosphäre als Nährstoff. Verbrauchsprodukte stehen in direktem Kontakt mit uns und unserer Umwelt. Durch ihr Nutzungsszenario werden Bestandteile von Verbrauchsprodukten bei der Nutzung unweigerlich abgenutzt oder verschlissen. Das heißt, dass die freigesetzten Substanzen direkt oder indirekt über Luft, Gewässer oder Atemwege von Natur und Menschen aufgenommen werden. Diese Produkte müssen deshalb für Mensch und Natur gänzlich unschädlich sein. Die biologische Abbaubarkeit ermöglicht es, den Kreislauf zu schließen, indem das abgenutzte Material wieder zum Nährstoff wird. Beispiele für Verbrauchsprodukte sind Putzmittel, Kosmetik, Auto- oder Fahrradreifen.

Der technische Kreislauf (Technosphäre)

In der Technosphäre zirkulieren technische Materialien, die in Gebrauchsprodukten verbaut sind. Rohstoffe für die Technosphäre stehen auf der Erde begrenzt zur Verfügung. Deshalb müssen sie in gleichbleibend hoher Qualität erhalten werden. Technische Materialien wie Kupfer oder Kältemittel können im biologischen Kreislauf schädliche Auswirkungen haben und dürfen daher nicht in die Biosphäre gelangen. Auch nachwachsende Rohstoffe können in der Technosphäre zirkulieren und mehrfach genutzt werden, bevor sie wieder Nährstoff für den biologischen Kreislauf werden. Dazu gehören beispielsweise Holz oder Baumwolle. Gebrauchsprodukte können so hergestellt werden, dass die eingesetzten Materialien mit geringem Aufwand rückstandslos voneinander trennbar sind. So können mit Design für Demontage Materialien dauerhaft in Kreisläufen zirkulieren und zum Nährstoff für neue Produkte werden.

Es gibt Produkte, die Materialien aus beiden Kreisläufen vereinen, aber immer unter der Voraussetzung, dass alle Bestandteile am Ende ihrer Nutzungsdauer sortenrein trennbar sind. Der Nutzungszeitraum von C2C-Produkten sollte für den Einzelfall definiert werden. Die Maximierung der Langlebigkeit als Designziel kann der Kreislauffähigkeit als Ziel entgegenstehen. Mikroplastik ist ein langlebiges Material, verunreinigt aber Gewässer und Böden und ist für Menschen und Tiere schädlich. Baustoffe wie Beton oder mit Karbonfasern verstärkte Kunststoffe sind Beispiele für Materialien, die nicht oder nur mit einem hohen Aufwand und mit Qualitätsverlusten recycelt und wiederverwendet werden können, während die Zementherstellung für neuen Beton dem WWF zufolge 8% der globalen Treibhausgasemissionen ausmacht. Bei einem definierten Nutzungszeitraum kann ein Unternehmen mit dem Rücklauf seiner hochwertigen Materialien rechnen und diese dann für seine weitere Produktion einsetzen.

Abbildung von Biosphäre (Verbrauchsmaterialien zirkulieren im biologischen Kreislauf) und Technosphäre (Gebrauchsmaterialien) als Kreisläufe
Abbildung 3: Biosphäre und Technosphäre