Diese Webseite ist noch im Aufbau. Wir freuen uns über Ihr Feedback.

3 Grundlagen für C2C-inspiriertes Bauen

3.1 C2C-inspirierte Gebäude

Das Cradle to Cradle-Konzept basiert auf einem positiven Menschenbild: Wenn wir Menschen unser lineares Verhalten ändern, können wir auf der Erde nützlich sein, statt nur weniger schädlich. Dieser positive Denkansatz kann auf alle Bereiche unseres Lebens übertragen werden, auch auf die Art und Weise, wie wir Gebäude bauen.

C2C-inspirierte Gebäude zeichnen sich, kurz gefasst, dadurch aus, dass sie definierte Elemente enthalten, die einen Mehrwert schaffen, Innovation und Lebensfreude fördern. Sie sind umnutzbar und alle eingesetzten Materialien sind demontierbar und recycelbar, die Gebäude nutzen erneuerbare Energien, verbessern die Qualität der Luft und des Wassers messbar und erhöhen die Biodiversität. Darüber hinaus erfüllen sie lebensverbessernde Funktionen, indem sie beispielsweise die Gesundheit der Menschen fördern, die in ihnen leben und arbeiten.

Der positive Ansatz geht in der C2C Denkschule über die Effizienzsteigerung bestehender Systeme und Schadensminimierungen hinaus und schafft sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Mehrwert. Das spiegelt sich auch im C2C-inspirierten Bauen wider, das immer das Ziel hat, einen Mehrwert für alle Beteiligten zu schaffen, der über die reine Funktion von Gebäuden als Aufenthaltsort und Schutz für die heutige Generation hinausgeht. C2C-inspirierte Gebäude haben im Idealfall über Generationen hinweg einen positiven Einfluss auf die Menschen in einer Kommune und tragen dazu bei, wertvolle Ressourcen in Kreisläufen zu halten.

Abbildung 4: Cradle to Cradle inspirierte Gebäude
Abbildung 4: Cradle to Cradle inspirierte Gebäude
© EPEA GmbH - Part of Drees & Sommer

Gebäude können nach heutigem Stand nicht immer alle C2C-Kriterien vollständig erfüllen. Das kann politischen oder geographischen Rahmenbedingungen geschuldet sein, oder auch dem Stand der Technik. Viele traditionelle Bauweisen mit Materialien wie Holz, Lehm oder Reet erfüllen den C2C-Gedanken umfassend, solange die natürlichen Baustoffe nicht verunreinigt werden, etwa durch schädliche Beschichtungen. Für viele moderne Bauweisen gilt dies jedoch nicht. Das kann an der Art des verwendeten Materials sowie an Verbindungen liegen, die die Kreislauffähigkeit einschränken oder sich negativ auf die Baugesundheit auswirken. Hinzu kommen Einschränkungen durch Bauvorschriften, Regularien und Normen.

Bei der Integration von C2C in Gebäuden ist daher das Ziel, C2C so gut wie möglich anzuwenden und die bestmögliche Qualität zu erreichen. Deshalb sprechen wir in diesem Leitfaden von C2C-inspirierten Gebäuden. Ein C2C-inspiriertes Gebäude und die darin verbauten Materialien erfüllen die unten aufgeführten Kriterien bestmöglich.

Materialgesundheit

Die im Gebäude und in den darin befindlichen Produkten verwendeten Materialien samt aller Inhaltsstoffe werden so ausgewählt, dass der Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt Vorrang hat. Die Beschaffenheit und Wirkung aller Materialien ist vollständig bekannt und in Materialpässen dokumentiert. Die Materialien werden in ihrem spezifischen Nutzungsszenario als gesund eingestuft. Das heißt: Bedenkliche Stoffe werden nur dann eingesetzt, wenn sichergestellt ist, dass keinerlei Exposition stattfindet.

Kreislaufführung 

Produkte werden bewusst für ihren spezifischen Einsatz konzipiert und aktiv in ihrem vorgesehenen Kreislauf geführt. Eine mögliche sinnvolle Nachnutzung des Gebäudes und der letztliche Rückbau des Gebäudes werden von Anfang an mitgedacht und geplant. Alle Bestandteile des Gebäudes werden sortenrein trennbar und reversibel verbaut, sodass ein insgesamt rückbaubares Gebäude entsteht. Dabei können Produkte in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt oder auch ganze Komponenten im Kreislauf geführt werden. Ein Beispiel dafür sind vorgefertigte Wand- oder Deckenelemente. Alle verbauten Produkte und Materialien werden in Materialpässen erfasst und digital dokumentiert. Dadurch bleiben sie definierte Ressourcen, die nach der Nutzungsphase oder nach Um- oder Rückbauten in gleicher oder verbesserter Qualität wiederverwendet werden können. Sie gewinnen durch die Wiederverwendungsmöglichkeiten einen finanziellen Mehrwert anstatt zum Kostentreiber beim Abbruch zu werden. Gebäude werden so zu werthaltigen Rohstofflagern. Die Perspektive der Investition in hochwertige Materialien und deren langfristiger Werterhalt macht sie zur Materialbank.

CO2-Management und Schutz von Wasser und Boden

Ein C2C-inspiriertes Gebäude hat eine gesunde Innenraumluft, einen positiven Einfluss auf die Luftqualität außen – insbesondere in Städten – und fördert das Mikroklima. Die Gesamtbilanz der klimawirksamen Treibhausgase ist positiv, wobei auch der Rückbau vorhandenen Bestands, der Bau und Betrieb des Gebäudes sowie die Landschaftsarchitektur erfasst werden. Wasser und Boden sind wertvolle Ressourcen sowie wichtige Allmendegüter, die den Menschen und allen anderen Organismen zur Verfügung stehen. Wassereinzugsgebiete und Bodenökosysteme werden daher bei Bauvorhaben geschützt. Wasser wird effektiv und effizient in Kaskaden genutzt und gegebenenfalls gereinigt. Eine Nettoentsiegelung auf dem Baugrundstück oder im betrachteten Baugebiet ist das Ziel.

Erneuerbare Energie

Die genutzte Energie für Bau und Betrieb von C2C-inspirierten Gebäuden stammt ausschließlich aus regenerativen Quellen. Die Energie wurde, wenn sie extern bezogen wird, in kreislauffähigen Anlagen erzeugt. Wenn möglich, erzeugt das Gebäude jedoch selbst Energie und kann durch Überproduktion andere Gebäude mitversorgen.

Soziale Gerechtigkeit

Dass alle am Bauprojekt Beteiligten, einschließlich der beauftragten Unternehmen und Zulieferer, die Menschenrechte sowie soziale Arbeitsstandards wahren, und faire und gerechte Geschäfts- und Produktionspraktiken entlang all ihrer Wertschöpfungsketten anwenden ist unter C2C selbstverständlich. Im Idealfall bieten Projektbeteiligte und Unternehmen ihren Mitarbeitenden einen Mehrwert. Das kann durch Weiterbildungsmaßnahmen und die Förderung von Entwicklungspotenzial geschehen oder durch Angebote wie Kinderbetreuung. 

Diversität

Ein C2C-inspiriertes Gebäude fördert soziale, konzeptionelle und kulturelle Vielfalt sowie Biodiversität. Die Architektur schafft durch gestalterische Ansätze sowie durch ihre Qualität menschenwürdige und inspirierende Räume. Sie erzeugt einen Mehrwert für die Nutzer*innen des Gebäudes sowie für die Anwohner*innen. Das kann beispielsweise durch Begegnungsräume, eine Nutzungsmischung sowie Sharing-Konzepte geschehen. C2C-inspirierte Gebäude sind flexibel und rückbaubar. Sie können an verschiedene Nutzungen und veränderte Bedürfnisse angepasst werden. Durch eine standortgemäße Bepflanzung des Grundstücks und Begrünung des Gebäudes wird der Lebensraum für Pflanzen und Tierarten mindestens erhalten oder zusätzlicher Raum geschaffen und so die Biodiversität gefördert.