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9 Vision und Zieldefinition für C2C-Mehrwert des Gebäudes

Ein Cradle to Cradle-inspiriertes Bauvorhaben – ob Bestand oder Neubau – benötigt eine gemeinsame Vision aller Beteiligten und messbare Ziele für Mehrwerte für die Menschen und die ökologische Umwelt. Diese Ziele werden vom ermittelten Bedarf und der Ist-Situation des Objekts oder Grundstücks abgeleitet. Bedarfsermittlung, Erfassung der Ist-Situation und Definition von Vision und Zielen sind keine in sich geschlossenen Pakete, sondern werden in einem iterativen Prozess erarbeitet. Dabei sollten Sie immer die wichtigen und jeweils betroffenen Projektbeteiligten einbeziehen.

Zu beachten ist, dass alle Projektbeteiligten in der Regel mit individuellen Zielvorstellung in das Projekt gehen. Diese können entstanden sein, bevor die Personen C2C kannten und haben daher nicht unbedingt einen direkten Zusammenhang mit C2C. Von C2C abgeleitete Ziele beziehen sich dagegen auf die messbare Umsetzung des Cradle to Cradle-Mehrwerts. Bei der Erstellung einer gemeinsamen Vision ist das Ziel, die individuellen Ziele und die von C2C abgeleiteten Ziele in Einklang zu bringen. Es ist daher empfehlenswert, die Vision und die Zielsetzung in Workshops mit Unterstützung der im Projekt für C2C verantwortlichen Person und unter Anleitung eines*r Moderators*in im entsprechenden Personenkreis zu erarbeiten.

Vision für das Gebäude mit C2C Mehrwerten

Es ist hilfreich, zwischen der „qualitativen Vision“ und „quantitativen Zielen“ zu unterscheiden. 

Die Vision stellt die Qualitätsdimension dar – Quantität spielt dabei eine untergeordnete Rolle. (Beispiele für eine C2C-inspirierte Vision: „Jedes im Gebäude verwendete Material ist gesund für die Bewohner und die Umwelt.‟; „Das Gebäude reinigt Luft.‟)

Die Zielsetzung ist eine quantitative Maßnahme, um die Inhalte der Vision messbar bis zu einem bestimmten Datum zu erreichen. (Beispiele für C2C-inspirierte Ziele: „Bei Inbetriebnahme des Gebäudes sind keine Schadstoffe in der Innenraumluft messbar.‟; „Auch bei Nutzung des Raums durch mehrere Personen, übersteigt der CO2-Wert nicht 800 ppm.‟; „Das Gebäude reinigt in einem Umkreis von 500m 30% Feinstaub und CO2.‟)

Weitere Beispiele sind in dieser Abbildung zu finden. Ausgehend vom Bedarf, den individuellen Zielen der Projektbeteiligten, mit denen diese in das Projekt hineingehen und die unabhängig von C2C sein können, und der Ist-Situation, entwickeln alle Beteiligten eine gemeinsame Vision für das Gebäude.

Zusammenführen von Vision, individuellen Zielen der Projektbeteiligten und Finanzierung

Die Vision (wie erreichen wir einen positiven Fußabdruck?), die individuellen Ziele der Projektbeteiligten (welchen konkreten Nutzen soll das Gebäude haben?) und das Finanzierungskonzept müssen nun zusammengeführt werden. Dafür ist es sinnvoll, dass die Projektbeteiligten priorisieren, welche messbaren Ziele über welchen Zeitraum umgesetzt werden sollen. Ganzheitliche Qualität bedeutet nicht, alles sofort „C2C-gemäß‟ umzusetzen, sondern anzufangen und sich auf einige ausgewählte C2C-inspirierte Elemente zu fokussieren. 

Der Gewerbepark Park 20|20 in den Niederlanden bietet viele Beispiele für ganzheitliche Qualität und C2C-inspirierte Zielsetzungen, die von einem System zur Nutzung erneuerbarer Energien für die gesamte Siedlung über Teiche und Biofilter, die das Grauwasser vor Ort reinigen, bis hin zu begrünten Dächern und Wänden, die die Luft reinigen und frische saubere Luft erzeugen, reichen. Auch dieses Projekt entstand Schritt für Schritt. In keinem der Gebäude wurden alle zum Bauzeitpunkt möglichen C2C-Lösungen verbaut, aber jedes Gebäude wurde mit dem C2C-Ansatz als Leitbild entwickelt und gebaut. Im Ergebnis finden sich in allen Gebäuden C2C-Elemente wieder und der Gewerbepark ist in seiner Gesamtheit ideal an die Gegebenheiten vor Ort und die Bedürfnisse der Nutzenden angepasst. 

Vergleich der individuellen Ziele der Projektbeteiligten mit Beispielen C2C-inspirierter Ziele

Ordnen der Ziele nach Kategorien

Es kann eine Herausforderung sein, die Vision und die individuellen Ziele der Projektbeteiligten mit den C2C-inspirierten Zielen in Einklang zu bringen. Wenn dies aber effektiv durchgeführt wird, ist es für das Projekt förderlich und vorteilhaft, da die Beteiligten dann eine gemeinsame Zielsetzung für das Projekt verfolgen. 

Es gibt verschiedene Arten von Zielen, die in diesem Prozess identifiziert werden sollten: 

  • Individuelle Ziele der Projektbeteiligten, bevor sie C2C kannten
  • C2C-inspirierte Ziele spezifisch für das Bauprojekt
  • C2C-inspirierte Ziele, die in anderen C2C-Projekten verwendet wurden

 

Heranziehen von Beispielen für C2C-inspirierte Ziele

Nachdem die Beteiligten ihre individuellen Ziele formuliert und gemeinsam kategorisiert haben, werden sie mit Beispielen für C2C-Elemente abgeglichen. Erfolgreiche C2C-inspirierte Projekte können eine Inspiration für das geplante Gebäude und sein und die erarbeiteten Ziele ergänzen.

Diese Übersicht kann als Ausgangspunkt genutzt werden, um gemeinsame Ziele für das C2C-inspirierte Gebäude zu erarbeiten. Die hier beschriebenen Dimensionen und Ziele sind als Beispiele und Inspiration zu verstehen. Die C2C-Qualitätsdimensionen werden für jedes Bauvorhaben individuell entwickelt und orientieren sich an den Kriterien für ein C2C-inspiriertes Gebäude. Die Tabelle zeigt Beispiele für messbare Ziele, die von den einzelnen Projektbeteiligten entwickelt werden können und einen Mehrwert schaffen.

Neuformulierung der Ziele der Projektbeteiligten im Einklang mit C2C 

Wenn die unterschiedlichen Ziele identifiziert und kategorisiert sind, können die von C2C abgeleiteten Ziele für das Gebäude an die Prioritäten der Projektbeteiligten angepasst und mit den individuellen Zielen der Projektbeteiligten in Einklang gebracht werden. Eine Orientierung sind dabei der vorab identifizierte Bedarf und die gemeinsame Vision.

Dieser Prozess ist einer der herausforderndsten Schritte im Projekt, da die Erwartungen der Beteiligten sich voneinander und von den C2C-Ansätzen unterscheiden können. Es ist sinnvoll diese Phase in einem Workshop mit einem*r qualifizierten Moderator*in durchzuführen.

Erarbeiten der C2C-inspirierten Ziele für das Projekt

Die auf das konkrete Bauvorhaben zugeschnittenen C2C-Ziele entstehen, indem die individuellen Ziele der Beteiligten mit generischen C2C-Zielen und projektspezifischen Zielen zusammengeführt und in Einklang gebracht werden. Ein Beispiel für ein Format für diesen Schritt stellt diese Übersicht dar. 

Realitätscheck – Den Zwischenstand bewerten

Dieser Schritt bietet sich nicht nur, aber vor allem im Prozess der Visionierung und Zielsetzung an: Die Bewertung und der Realitätscheck, ob das Projekt auf dem richtigen Weg ist. Fragestellung dafür sind:

  • Befindet sich das Projekt auf dem Weg zu einem Mehrwert schaffenden und nützlichen Gebäude?
  • Welche Mehrwerte werden für die Projektbeteiligten durch die Verbesserung der ganzheitlichen Qualität generiert?
  • Ist das Niveau der Innovation für die einzelnen Bereiche des Gebäudes realistisch und sind die Projektpartner*innen bereit, es umzusetzen? Muss das Niveau eventuell angehoben werden oder ist es zu ambitioniert? 
  • Fördert das Projekt Freude und Ästhetik? 
  • Sind die erarbeiteten Ziele in wirtschaftlicher, technischer oder produktiver Hinsicht messbar? 
  • Wurden schon Meilensteine oder Stichtage definiert? 
  • Werden die Potenziale wirklich ausgeschöpft? 
  • Unterstützen die ausgewählten Finanzierungsinstrumente die Ziele der Projektbeteiligten oder schränken sie ein?
  • Wo stößt das Projekt an Grenzen? Welche Grenzen bestehen? Welche externen Akteur*innen (z.B. Behörden, Zulieferer, Auftragnehmende) könnten welche Ziele unterstützen oder Hindernisse darstellen? 

Zielvereinbarung mit den Beteiligten 

Nach dem Realitätscheck wird die Zielvereinbarung mit allen relevanten Projektpartner*innen abgeschlossen. Teil dieser Vereinbarung ist ein Zeitplan für die Erreichung der einzelnen Ziele. Diese formelle Vereinbarung ist sinnvoll, weil alle Beteiligten damit auf dem gleichen Stand sind und sie die Zustimmung der Beteiligten gewährleistet. Das Dokument muss nicht mit allen Projektpartner*innen individuell aufgesetzt werden. Es kann auch in einer umfassenden Tabelle dargestellt werden. Wichtig ist, dass alle Beteiligten mit den Zielvereinbarungen einverstanden sind und das entsprechende Dokument unterschreiben. So kann in den folgenden Phasen des Projekts stets verbindlich zurückgegriffen werden.

Erstellen einer Roadmap für C2C-inspirierte Gebäude 

Eine Hauptursache für Fehler bei Bauvorhaben sind zu geringe Ressourcen für die Planung. Ein effektiver Planungsprozess hat einen sehr geringen Kostenaufwand im Vergleich zu den Kosten für die spätere Behebung von Fehlern. Die nötigen Ressourcen für das Projekt sollten frühzeitig in der Projektvorbereitung identifiziert und gegebenenfalls gesichert werden.

Eine Roadmap bietet allen Projektbeteiligten eine Übersicht, wann welcher Baufortschritt zu erwarten ist und wie sich die gemeinsame Vision und die Ziele über das Projekt hinweg entwickeln. Diese Transparenz führt zu einer hohen Akzeptanz und Unterstützung für das Projekt unter den Beteiligten und Betroffenen. Schnell eintretende Erfolge sind dabei wichtige Instrumente, um den Mehrwert von C2C aufzuzeigen.

Bei der Erstellung der Roadmap liegt eine Einteilung in die folgenden Phasen nahe:

  • Planung bis zur Ausschreibung 
  • Ausschreibungen bis zur Fertigstellung
  • Betrieb und Wartung
  • geplante Renovierungen
  • Gegebenenfalls Umnutzung
  • Stilllegung und Rückbau

Diese definierten Zeitfenster zeigen den Projektbeteiligten, wann erwartungsgemäß welcher Mehrwert aus welchen Zielen eintritt und wann voraussichtlich Aufwand und Handlungsbedarf anfallen. Dies erfordert, dass entsprechende Ressourcen für das Zusammentragen von Informationen zu einem frühen Zeitpunkt in den Prozess investiert werden. Durch ein gutes Management des Informationsflusses und eine starke Einbeziehung der verschiedenen Projektbeteiligten und ihrer Interessen kann ein erheblicher Gewinn an Qualität und Geschwindigkeit erwartet werden.

Die Roadmap ist kein statisches Dokument, sondern wird über die Dauers des Projektes, die Nutzungsphase, bis hin zum Rückbau weitergeführt und aktualisiert. Sie beinhaltet übergeordnet die Vision und die Ziele des Projekts und geht daher über einen reinen Projektplan hinaus. Sie dient als wichtiges Instrument der Kommunikation, projektintern sowie nach außen. Sie veranschaulicht und verfolgt den Ansatz der kontinuierlichen Verbesserung über die gesamte Nutzungsdauer des Gebäudes hinweg. Es werden immer wieder neue Technologien und Methoden auftauchen, die in unterschiedlichen Phasen des Gebäudes in die Roadmap integriert werden können. Um sicher zu gehen, dass dies geschieht, sollte vom Projektstart und über die Nutzungsphase hinweg eine Person festgelegt werden, die für die Umsetzung und Aktualisierung der Roadmap verantwortlich ist. Das kann zunächst die Projektleitung und später die Hausverwaltung sein. Die unten stehende Abbildung 12 zeigt ein Beispiel für eine Roadmap, das sich gut auf die schrittweise Integration von C2C in ein bestehendes Gebäude übertragen lässt.

Grafik Roadmap Gebäude
Abbildung 12: Beispiel einer Roadmap für C2C-inspirierte Gebäude