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5 Was kostet C2C?

5.1 Höhere Einnahmen und geringere Kosten

Bei der Integration von C2C-Kriterien in Gebäuden können die Planungs- und Bauausgaben höher sein als bei konventionellen Bauprojekten. Allerdings lassen sich diese aufgrund von geringeren Betriebskosten und – im gewerblichen Bereich – Produktivitätssteigerungen über den Nutzungszyklus eines Gebäudes (über)kompensieren. Hinzu kommt: In den nächsten Jahrzehnten plant die EU-Kommission eine zunehmend schärfere Regulierung in Bezug auf Materialgesundheit und Kreislauffähigkeit. Wer heute noch konventionell baut, muss dann mit deutlich höheren Sanierungs- oder Rückbaukosten rechnen. Wenn heute bereits Investitionen in den Mehrwert durch gesunde, positiv definierte, rückbaubare und kreislauffähige Materialien fließen, entfallen oder sinken diese späteren Kosten im Vergleich. Ein weiterer Mehrwert entsteht durch die wiederverwendbaren Ressourcen vor dem Hintergrund voraussichtlich weiter steigender Rohstoffpreise.

Im Folgenden sind mögliche Auswirkungen auf Einnahmen und Ausgaben während eines Bauprojekts aufgeführt. Nicht alle dieser Effekte lassen sich bruchlos in Euro-Summen oder anderen Leistungskennzahlen abbilden. Der zweite Teil dieses Kapitels enthält  daher eine Beispielrechnung, in der die im ersten Teil aufgeführten Argumente aufgenommen und mit Zahlen belegt werden.

Einnahmensteigerung

  • Die Nutzung bewusst ausgewählter definierter Materialien verbessert das Raumklima und führt zu einer höheren Nutzerzufriedenheit, weniger Krankentagen und einer höheren Produktivität.
  • Eine geplante Mehrfachnutzung und flexible (Um-)Nutzungsmöglichkeiten lassen neue Einnahmen zu, beispielsweise durch Zusatzvermietung außerhalb von Betriebs- oder Geschäftszeiten.
  • Die Planung von C2C-inspirierten Gebäuden als Materialbank lässt Einnahmen aus den Restwerten der Bauelemente und Materialien zu.
  • C2C-inspirierte Gebäude können als Energiequelle konzipiert und realisiert werden: Aus dem Verkauf von überschüssiger erneuerbarer Energie können Einnahmen generiert werden.
  • C2C-inspirierte Gebäude ermöglichen die Beteiligung am Finanzierungskonzept für nachhaltige Vorhaben, das die EU im Green Deal (Taxonomie-Verordnung, (EU) 2020/852) festgelegt hat.
  • Zudem gibt es unterschiedliche weitere Förderprogramme für nachhaltige Investitionen, durch die auch C2C-inspirierte Bauvorhaben gefördert werden können.

Kostenreduktion

C2C-Baustoffe und Einrichtungsgegenstände zeichnen sich per Definition durch niedrigere Emissionen in der Herstellung aus. Das führt zu einer günstigeren CO2-Bilanz und diese kann sich in niedrigeren Kosten für Zertifikate niederschlagen. Durch die Zugänglichkeit, Modularität, leichte Austauschbarkeit und Reparierbarkeit von Baumaterialien und Bauteilen sinken die Instandhaltungs- und Wartungskosten. Es besteht ein geringes Leerstandsrisiko durch die hohe Nachfrage nach gesunden und umweltfreundlichen Gebäuden. Gesunde Innenräume führen nachweislich zu einem geringeren Krankenstand und damit niedrigeren Krankenkosten bei gewerblich genutzten Gebäuden. Eine hohe Materialqualität, die definierte Nutzungsdauer der Produkte sowie Design für Demontage und eine bessere Planbarkeit von Um- und Rückbau durch digitale Dokumentation haben geringere Renovierungs- und Instandhaltungskosten zur Folge. Bei zu erwartenden Veränderungen in den vorgeschriebenen Gebäudestandards kann die Anpassungsfähigkeit an zukünftige Heiz- und Kühlungsanforderungen die Ein- und Umbaukosten senken oder lässt sie erst gar nicht entstehen. Ein C2C-inspiriertes Gebäude lässt sich leicht und mit geringerem Aufwand auf ein verändertes Nutzungsverhalten oder veränderte Nutzungsbedingungen in der Zukunft anpassen. Dadurch entfallen Umbaukosten oder fallen deutlich geringer aus. Für die Kommune bestehen die Chancen auf geringe Entsorgungskosten für Abfall und Sondermüll, durch die umfassende Planung für Zirkularität. Kluges und zirkuläres Wasserrecycling- und -management führt zu Einsparungen von Kosten für die Wasserversorgung. 

Auf gesellschaftlicher Ebene ist zu beachten, dass die Folgekosten durch umwelt- und gesundheitsschädliche Produkte, Produktionsweisen und Bauvorhaben heute überwiegend von der Gesellschaft und nicht von den Verursachenden getragen werden. Ein Beispiel dafür ist die Komplettversiegelung von Parkflächen und ihre Folgen: Für die zunehmenden Starkregenereignisse sind von den Kommunen ausreichend dimensionierte Abwassersysteme bereitzuhalten, die über Steuern gezahlt werden. Bei einer zukünftigen Abbildung der realen Kosten müssten die Bauherr*innen für solche Kosten aufkommen.

Eine weitere Besonderheit für Städte und Gemeinden ist ihre Verantwortung für die kurz- und langfristige Sicherstellung der Daseinsvorsorge – es müssen neben ökologischen auch soziale, wirtschaftliche, städtebauliche und gemeinwohlorientierte Ziele erfüllt werden. Daraus resultieren Kriterien für Investitionsentscheidungen, in denen entsprechend langfristige Chancen und Risiken gewichtet werden müssen. Eine Betrachtung aller Kosten über den gesamten Nutzungszyklus eines Gebäudes, speziell eines öffentlichen Gebäudes, ist demnach auf vielen Ebenen sinnvoll und wichtig. So werden sämtliche direkte und indirekte Kosten in Verbindung mit der Herstellung, dem Betrieb, dem Abriss oder Verkauf der Immobilie berücksichtigt, aber auch sämtliche direkte und indirekte Erträge und gegebenenfalls auch subjektive Synergien wie gesunde, zufriedene Mitarbeiter oder Bewohner. Für diese Lebenszyklusanalyse gibt es heute unterschiedliche Berechnungstools. Ein Beispiel dafür kommt von der DGNB, die zudem Benchmarks für verschiedene Gebäudetypen bereitstellt.

Der finanzielle Mehrwert von C2C-inspirierten Gebäuden kann also in vielen Formen den Nutzer*innen, Eigentümer*innen, Projektpartnern und Anwohnenden zugutekommen. Die finanziellen Vorteile können in Form von direkten finanziellen Kennzahlen oder indirekten qualitativen Faktoren ausgedrückt werden.

Beispiel Venlo City Hall

Das Beispiel des Rathauses in Venlo zeigt, wie sich der Mehrwert von C2C auch finanziell auswirkt. Das Projektbudget für den Neubau des nach C2C gebauten Rathauses betrug 50 Mio. Euro. Die Mehrkosten aller Maßnahmen für Nachhaltigkeit beliefen sich auf 3,4 Mio. Euro. Aus diesen Maßnahmen entstanden finanzielle Erträge in Höhe von 16,9 Mio. Euro. Das Gebäude wies ab dem ersten Jahr einen positiven Cashflow auf. 

Gleichzeitig dient das Gebäude als Materialbank. Der Restwert der Materialien von 5% entspricht einer jährlichen Einsparung von 175.000 Euro. Legt man die Preissteigerungen der letzten Jahre zugrunde, dann kann man davon ausgehen, dass der tatsächliche Restwert noch höher ist. Auch wurden der Gemeinde Venlo von den Herstellern der im Rathaus verwendeten C2C-Möbel ein Restwert von ca. 300.000 Euro nach einer Nutzungsdauer von zehn Jahren garantiert. Darüber hinaus hat das Gebäude eine hohe Anziehungskraft bis über Landesgrenzen hinaus. Bereits im ersten Jahr haben über 20.000 Besucher*innen an Führungen im Gebäude teilgenommen. Das C2C-inspirierte Rathaus steigert bis heute die Attraktivität des gesamten Standortes Venlo.

Infobox 3 – Förderung und Finanzierung 

Es gibt viele bundesweite und regionale Fördertöpfe für Baumaßnahmen im Sinne des Klimaschutzes, beispielsweise für nachhaltige Dachbegrünung, energetische Sanierungen, Solarstromspeicher, Beratung oder die Zertifizierung gemäß anerkannter Standards.